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Von der Fassade zur Kirchner Tasche

Von der Fassade zur Kirchner Tasche

11.Sept. 2026

 

Nach jeder Ausstellung bleibt am Kirchner Museum eines zurück: das grosse Fassadenbanner an der Stirnseite des Hauses. Seit 2020 landet es nicht mehr im Abfall, sondern wird wenige Strassen weiter zu robusten, farbstarken Taschen verarbeitet – in der Werkstätte der ARGO Stiftung für Integration von Menschen mit Behinderung in Graubünden.

 

Seit der Ausstellung «Die Skizzenbücher Kirchners. Vom Bleistiftstrich zum Hologramm» im Jahr 2020 hat das Museum eine Antwort gefunden, die Nachhaltigkeit und soziales Engagement mit Ästhetik verbindet: Die Banner werden zu alltagstauglichen Taschen umfunktioniert – grosszügig genug für den Wocheneinkauf, praktisch als Strandtasche und auch für den Sport bestens geeignet. Seit Kurzem ergänzen kleinere Kulturtaschen das Sortiment.

 

 

Es braucht viele Hände und viele Arbeitsschritte, bis aus einem Fassadenbanner eine fertige Tasche wird. Der Weg beginnt am Museum selbst: Das grossformatige Banner wird abgehängt, sorgfältig gefaltet und von der ARGO abgeholt. In der Wäscherei zeigt sich die erste Herausforderung: Das grossformatige Material muss in vier Teile zerschnitten werden, damit es überhaupt in die Industriewaschmaschinen passt. Der vielleicht spannendste Schritt ist der Zuschnitt. Hier gilt es, aus dem Plakatmotiv Ausschnitte zu wählen, die auf einer Tasche besonders gut zur Geltung kommen – ein Kirchner-Detail, ein Farbfeld, ein Schriftzug. Da kein Motivabschnitt dem anderen gleicht, ist jede Tasche ein Unikat. 

 

 

Aus einer Blache entstehen je nach Motiv 20 bis 40 Taschen. Acht Mitarbeitende der ARGO sind in der Regel am Entstehungsprozess beteiligt – und alle, so heisst es in der Werkstätte, haben grossen Spass an dieser besonderen Arbeit. Denn am Ende halten sie ein Produkt in den Händen, das gleich mehrere Geschichten erzählt: von Kirchners Kunst, von Davoser Zusammenarbeit und von der Überzeugung, dass Nachhaltigkeit und Inklusion keine Gegensätze sind, sondern einander bedingen.

 

Wir danken der ARGO für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Den ganzen Artikel von Sarah Keppel ist in unserem Ausstellungsmagazin abgedruckt.

Neu in der Sammlung: Druckstöcke von Philipp Bauknecht

Neu in der Sammlung: Druckstöcke von Philipp Bauknecht

21.Aug. 2026

Manche Werke begegnen uns nicht sofort als fertige Bilder – das gilt auch für die 73 Holzdruckstöcke von Philipp Bauknecht, die seit diesem Jahr die Sammlung des Kirchner Museum Davos bereichern. 

 

Bauknecht beschäftigte sich vor allem nach seinem krankheitsbedingten Umzug nach Davos ab dem Jahr 1910 mit dem Holzschneiden. Neben christlichen Motiven und symbolisch aufgeladenen Kompositionen, in denen Themen wie Krankheit, Tod und teilweise auch ein ironischer Blick auf die ihn umgebende Gesellschaft mitschwingen, entwickelte er seine unverwechselbare Bildsprache vor allem in bäuerlichen Szenen, Porträts und Tierdarstellungen. 

 

Typisch für Bauknechts Arbeitsweise im Holzschnitt ist das spannungsvolle Spiel zwischen geschlossenen Schwarzflächen und bewegten, aus dem Material herausgearbeiteten Strukturen. Dieses Konvolut der Druckstöcke eröffnet für die Forschung einen seltenen Zugang zur künstlerischen Werkstatt und macht die Holzstöcke zu einem Dokument künstlerischer Entscheidungen: ein Ort, an dem Bilder im Entstehen sind und neue Formen aus dem Material gehoben werden.

 

Die Druckstöcke gelangten dank einer grosszügigen Schenkung von Gioia Smid, Nachlass der Sammlung J. P. Smid, Amsterdam, in den Sammlungsbestand des Museums. Der ganze Artikel ist in unserem Ausstellungsmagazin Kirchner+ Farbenrausch abgedruckt.

Blick hinter die Kulissen

Blick hinter die Kulissen

01.Juni 2026

Hinter den Kulissen des Besucherteams


Ein wesentlicher Pfeiler des Kirchner Museum Davos ist unser Besucherteam: präsent in den Ausstellungsräumen und am Empfang, erste Anlaufstelle für das Publikum, verlässliche Aufsicht – und damit das eigentliche Herzstück des Museumsalltags. Für diesen Beitrag hat Martina Nommsen mit den Teammitgliedern Edeltraut Eisentraut und Peter Müller gesprochen.
 

Die Gesichter des Teams und ihre Verbindung zu Kirchner
Seit 15 Jahren betreut Edeltraut Eisentraut die Kasse und die Aufsicht. Ihre Leidenschaft für Ernst Ludwig Kirchner begann vor 50 Jahren mit ihrem Umzug nach Davos, wo sie Kirchners Werken im Alltag begegnete. Ihr absolutes Lieblingsbild ist „Davos im Sommer“, dessen kräftige Farben und die Darstellung des Tinzenhorns sie faszinieren.

 

Edeltraut Eisentraut

 

Ihr Kollege Peter Müller, ehemaliger Arzt, stieg nach seiner Pensionierung ins Team ein. Er kam vor 20 Jahren nach Davos und kannte Kirchners Werk bereits durch seinen Vater, einen Architekten. Zufälligerweise ist „Davos im Sommer“ auch sein Lieblingsbild, das ihm einst als Einzugs-Poster geschenkt wurde.

Peter Müller

 

„Das Werk von Kirchner besteht ja nicht nur aus den farbenprächtigen Ölgemälden, da gibt es doch noch so viel anderes zu entdecken, was die wechselnden Ausstellungen eben ermöglichen. Also immer ein guter Grund für einen Museumsbesuch!“ – Peter Müller


Ein abwechslungsreicher und anspruchsvoller Alltag
Die Aufgaben im Besucherteam sind vielfältig: Sie reichen von der Raumüberwachung und der Vermittlung von Sicherheitsregeln bis hin zur Betreuung internationaler Gäste und Spezial-Events wie Konzerten oder Yoga-Sessions. Um dieser Rolle gerecht zu werden, braucht es laut Eisentraut vor allem Ausdauer, Freundlichkeit, Fremdsprachenkenntnisse und Erste-Hilfe-Wissen.

Auf die anspruchsvollen Inhalte bereitet sich das Team intensiv vor: Vor jeder Eröffnung erhalten sie fundierte Einführungen von der Direktorin und dem wissenschaftlichen Dienst.


Mehr als nur Aufsicht
Eisentraut und Müller sind sich einig: Das Besucherteam ist für das Museum unverzichtbar. Es prägt den ersten Eindruck, schafft eine offene, einladende Atmosphäre und baut durch persönliche Gespräche eine Brücke zur Kunst. Dank ihres Engagements fühlen sich Gäste aus aller Welt willkommen – und kehren gerne zurück.