
Von der Fassade zur Kirchner Tasche
Nach jeder Ausstellung bleibt am Kirchner Museum eines zurück: das grosse Fassadenbanner an der Stirnseite des Hauses. Seit 2020 landet es nicht mehr im Abfall, sondern wird wenige Strassen weiter zu robusten, farbstarken Taschen verarbeitet – in der Werkstätte der ARGO Stiftung für Integration von Menschen mit Behinderung in Graubünden.
Seit der Ausstellung «Die Skizzenbücher Kirchners. Vom Bleistiftstrich zum Hologramm» im Jahr 2020 hat das Museum eine Antwort gefunden, die Nachhaltigkeit und soziales Engagement mit Ästhetik verbindet: Die Banner werden zu alltagstauglichen Taschen umfunktioniert – grosszügig genug für den Wocheneinkauf, praktisch als Strandtasche und auch für den Sport bestens geeignet. Seit Kurzem ergänzen kleinere Kulturtaschen das Sortiment.
Es braucht viele Hände und viele Arbeitsschritte, bis aus einem Fassadenbanner eine fertige Tasche wird. Der Weg beginnt am Museum selbst: Das grossformatige Banner wird abgehängt, sorgfältig gefaltet und von der ARGO abgeholt. In der Wäscherei zeigt sich die erste Herausforderung: Das grossformatige Material muss in vier Teile zerschnitten werden, damit es überhaupt in die Industriewaschmaschinen passt. Der vielleicht spannendste Schritt ist der Zuschnitt. Hier gilt es, aus dem Plakatmotiv Ausschnitte zu wählen, die auf einer Tasche besonders gut zur Geltung kommen – ein Kirchner-Detail, ein Farbfeld, ein Schriftzug. Da kein Motivabschnitt dem anderen gleicht, ist jede Tasche ein Unikat.
Aus einer Blache entstehen je nach Motiv 20 bis 40 Taschen. Acht Mitarbeitende der ARGO sind in der Regel am Entstehungsprozess beteiligt – und alle, so heisst es in der Werkstätte, haben grossen Spass an dieser besonderen Arbeit. Denn am Ende halten sie ein Produkt in den Händen, das gleich mehrere Geschichten erzählt: von Kirchners Kunst, von Davoser Zusammenarbeit und von der Überzeugung, dass Nachhaltigkeit und Inklusion keine Gegensätze sind, sondern einander bedingen.
Wir danken der ARGO für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Den ganzen Artikel von Sarah Keppel ist in unserem Ausstellungsmagazin abgedruckt.






